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Stratege und Interimsmanager Alexander Neumayer über Trends, Strategien, Innovationen und Produkte sowie relevante Technologien für Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister.

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Entlassen Sie Ihre Online-Verantwortlichen!

Ok. Die Überschrift ist vielleicht etwas provokativ. Aber ich bin der Meinung, dass die Finanzbranche im Internet – vorsichtig ausgedrückt – nicht gerade zu den innovativsten Branchen zählt und hier viele, viele Potenziale links liegen läßt. Und bin auch gerne bereit, ein paar Argumente und Beispiele dafür zu bringen.

Ein kleines Beispiel aus meiner Vergangenheit

Fangen wir mit einem Beispiel an. Vor meiner Tätigkeit für die Raiffeisen Bankengruppe Österreich, genauer in den Jahren 2000 und 2001 war ich in einem führenden eCommerce-Unternehmen im Marketing tätig. Klar, dass wir da am Puls der Zeit waren und andere Branchen, die ihren Schwerpunkt im Filialgeschäft haben, einige Jahre Rückstand haben. Na ja, jedenfalls kam ich dann ja zu Raiffeisen und ziemlich am Beginn gab ich dem Internet-Verantwortlichen des Sektors, der stolz über Millionen Zugriffe im Online-Banking berichtete, zwischen Tür und Angel einen klitzekleinen Tipp: “Du hast ja Millionen Kundenkontakte im Online-Banking jeden Monat. Und wenn sich diese Kunden ausloggen, landen Sie auf einer Logout-Seite ohne irgendwelche Informationen. Leite die Kunden doch zumindest auf die Frontpage des Webauftritts weiter….”. Gesagt getan und die Zugriffe auf dem Webauftritts rasten in die Höhe. Unterschied: 1 Code-Zeile. Umsetzungsdauer: IN SEKUNDEN.

In 2013 sind viele auch noch nicht weiter

Das “zumindest” dürfte jedoch überhört worden sein. Vielleicht hätte ich noch “vorübergehend” dazu sagen sollen. Denn heute, 11 Jahre später, wird man nach dem Logout aus dem Online-Banking immer noch auf die Frontpage des Webauftritts weiter geleitet. Bei einem Kongress diese Woche beklagte ein Berater, dass Banken, die das tun, überwiegend Zugriffe aus dieser Quelle haben und nur wenige natürliche Besucher dort landen, dass Kunden den Browser schon zuvor zuklicken möchten, bevor man auf der Frontpage landet, etc. Warum? Weil die Informationen dort für die wenigsten interessant sind, insgesamt zu viel sind, nicht entsprechend für einen kurzen Aufmerksamkeitsslot aufbereitet sind, etc.

Ja, stimmt schon. Aber immerhin landen die Kunden dieser Bank nicht auf einer gänzlich leeren Seite und ohne diesen Redirect würden auch nicht mehr auf der Website der Banken landen. Die richtige Frage wäre gewesen, wie man diesen Trafic besser nützen könnte. Die wurde aber nicht beantwortet.

Und das Unvorstellbare. Andere Banken leitet noch nichtmal auf die Frontpage, sondern belassen den ausloggenden Kunden auf einer Logout-Seite. Ohne jegliche Informationen. Und das unglaubliche. Nichtmal eine führende Direktbank macht das besser!

Ich habe insgesamt 6 oder 7 Bankverbindung (auch um einen gewissen Überblick zu haben). Bei lediglich einer wird auf der Logout-Seite eine halbwegs vernünftige Botschaft abgesendet, die nicht in unzähligen anderen Informationen untergeht. Der Großteil nützt diese Chance, den Kunden auf ein Angebot, ein neues Service oder irgendwas interessantes aufmerksam zu machen, gar nicht. Man landet einfach auf einer leeren Seite, auf der man sich für den Besuch im Online-Banking bedankt. Millionen Kontakte, für die andere Firmen viel Geld zahlen würden, werden verschenkt. Diese Banken machen also nicht mal Dinge, die man schon vor 12, 13 Jahren anders machte.

Es gibt noch viele weitere Beispiele

Wie gesagt sollte das nur ein Beispiel dafür sein, wie “rückständig” Banken im Online-Bereich sind. Dass man nichtmal solche Basics im Griff hat. Man kann da noch beliebige Themen nennen, zum Beispiel die mangelnde Suchmaschinen-Optimierung vieler Bankauftritte, den verzögerten Launch von mobile Apps, die meist ziemlich uninspiriert sind, etc.

Am gravierendsten ist es meiner Meinung nach im Online-Banking selbst. Seien wir uns ehrlich. Was ist heute besonders am Online-Banking der meisten Banken? Was hat sich für die Kunden tatsächlich geändert, außer dass sie heute die Arbeit (z.B. das Eingeben von Überweisungsdaten) selbst erledigen? Welche nützlichen Services kamen dazu, die durch die neue Technologie erst ermöglicht wurden? Nicht nur am PC, sondern jetzt ganz speziell auch auf mobilen Geräten? Was haben da andere Branchen schon für nützliche Dinge erfunden und worauf wartet man in der Finanzbranche noch vergeblich?

Das KANO-Modell

Kennen Sie vielleicht das KANO-Modell? In diesem werden Leistungen eines Produktes oder einer Dienstleistung ganz simpel nach der Nutzenstiftung für die Kunden eingeteilt:

  • Basismerkmale sind selbstverständlich und erzeugen bei Erfüllung keine Zufriedenheit, sondern lediglich Unzufriedenheit, wenn sie fehlen.
  • Leistungsfaktoren beseitigen Unzufriedenheit und erzeugen umso mehr Zufriedenheit je mehr sie erfüllt werden.
  • Begeisterungsfaktoren sind dagegen Nutzen stiftende Merkmale, mit denen der Kunde nicht unbedingt rechnet und rufen Begeisterung hervor. Sie können zu einer Differenzierung gegenüber der Konkurrenz führen.

Quelle: Wikipedia

Spannend ist nun, dass sich die Einordnung von Produkt- oder Servicemerkmalen natürlich über die Zeit verändern. Begeisterungsfaktoren werden Leistungsfaktoren, je gewohnter und “normaler” sie sind und je mehr Anbieter sie anbieten. Und Leistungsfaktoren werden irgendwann mal Basisfaktoren, ohne die das Angebot nicht mehr akzeptiert werden würde.

Bewertung des Online-Bankings nach KANO?

Ich denke, dass ist nicht mehr wirklich im Detail nötig. Oder? Wenn wir das tun, dann finden wir zahlreiche Basisfaktoren. Grundanforderungen, ohne die das Service kein Online-Banking wäre oder zu geringe Funktionen bieten würde. Wir werden gewiss auch ein paar Leistungsfaktoren finden, aber da bin ich fast der Meinung, dass es nicht viele sind.

Wirkliche Begeisterungsfaktoren werden wir kaum finden. Vielleicht waren zu Beginn des Online-Bankings in den 90er-Jahren welche dabei. Aber heute sehe ich keine mehr, denn die meisten Online-Bankings haben sich kaum weiter entwickelt. Ich bin sogar der Meinung, dass immer noch etliche Basisfaktoren fehlen. Etliche Banken bieten zum Beispiel noch keine aktuellen Umsatzinformationen von der Kreditkarte, sodass man am Ende des Monats immer noch überrascht wird von der Höhe der Kreditkartenabrechnung. Auch ist in manchen Banken noch nicht gewährleistet, dass man einen aktuellen Überblick über alle seine Produkte im Online-Banking findet. Oder noch schlimmer. Man muss dafür zahlen. Für Statusinformationen? Andere Kundenanforderungen sind zwar erfüllt, aber minimalistisch. Das betrifft vor allem die Usability. Meist sind Funktionalitäten im Online-Banking ähnlich umgesetzt, wie in den bankinternen Systemen für die Bankmitarbeiter und es wurde kein Gedanke verschwendet, wie man es intuitiver für die Laien machen könnte.

Laut dem Kundenfeedback in meinen regelmäßigen Projekten dazu trifft die Einteilung perfekt zu. Die Kunden sind nicht explizit unzufrieden, die meisten sagen auch, dass sie grundsätzlich zufrieden sind. Aber wie in vielen Bereichen können Kunden (je nach Methodik) auch nicht formulieren, was ihnen noch mehr Nutzen stiften würde. Man findet aber zwischen den Zeilen immer wieder interessante Informationsbrocken, die man erst richtig interpretieren muss, um richtige Ansatzpunkte zu finden. Wie bei den Bankmanagern ist ihr Bild vom “Banking” oftmals viel zu eng, sodass man dieses erst methodisch erweitern müsste (Beispiel einer Methode), um latente Bedürfnisse zu finden. Begeistert ist heute jedenfalls niemand.

 Online-Zukunft der Banken?

Es gibt meiner Meinung nach kaum eine Branche, die für neue Online-Services und Online-Geschäftsmodelle so anfällig ist wie die Banken und Versicherungen, die ich hier auch mitnehme. Eine Branche, die viel zu wenig Augenmerk richtet auf einen Kanal, in dem sie weit mehr als 90% ihrer Kundenkontakte hat! Viele Kunden gehen gar nicht mehr in Filialen. Wäre es da nicht logisch, dass man die strategische Wichtigkeit des Online-Channels überdenkt und die Ressourcenzuteilung überdenkt? Player aus anderen Branchen, die das Potenzial und die Möglichkeiten des Online- und Mobile-Channels weit besser beherrschen stehen vor den Toren der Branche und haben eine einmalige Gelegenheit, durch eine weit höhere “Customer Experience” in diese Branche einzutreten. Warum? Weil die Internet-Verantwortlichen entweder bisher keinen guten Job machten oder sich intern nicht durchsetzen konnte. Wie auch immer kein gutes Zeugnis.

Innovationen in Banken – passen die Voraussetzungen?

In Banken hört man heute immer öfter den Ruf (von ganz oben natürlich), dass man (=die Mitarbeiter der Bank) innovativer sein muss. Aber passen die Voraussetzungen dafür? Stimmt das Umfeld, um wirkliche Innovationen hervorzubringen?

Die meisten Branchen sind heute von Sättigung, Preiskampf und Kostendruck geprägt. Branchengrenzen verschwimmen, Kundenbedürfnisse verändern sich, Zielgruppen sind nicht mehr eindeutig abgrenzbar und erreichbar und neue Technologien beeinflussen die Art und Weise, wie Produkte und Dienstleistungen erzeugt und angeboten werden. Für die Finanzbranche kommen noch die immer stärkere Regulierung und bei Banken die Notwendigkeit des Kapitalaufbaus dazu, die zudem einen großen Teil der Aufmerksamkeit des Managements auf sich ziehen (statt auf die Branchenveränderungen). Read more +

Das Ende der BAWAG?

Nein, nein. So schlimm ist’s nicht. Die BAWAG sperrt nicht zu. Sondern es geht um meine Eindrücke und Einschätzungen zum neuen Filialkonzept in Kooperation mit der Post.

Fililakooperation BAWAG PSK und Post

Auf’s erste Hinsehen scheint es ja logisch, dass man kooperiert. Der Eine baut sein Filialnetz sukzessive ab und ist interessiert, die verbleibenden Standorte möglichst gut und ertragreich führen. Der Andere hat relativ wenig Standorte und hofft, die Frequenz des Anderen in viel mehr Standorten besser als in der Vergangenheit die PSK zu nutzen. Read more +

Ertragssteigerung für Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister

Die Erträge sind am Boden. Die Kosten drücken. Kaum eine Bank, Versicherung oder Finanzdienstleister, der nicht nach Möglichkeiten sucht, die Preise und Tarife zu erhöhen, um die Erträge zu steigern. Doch schnell kann der Schuss nach hinten los gehen.

Jahrzehntelang konnte man in der Finanzbranche ganz einfache Mechanismen anwenden, um die Preise, Konditionen und Tarife zu bestimmen. Vieles gibt “der Markt” vor, zum Beispiel im Zinsbereich. Dann blickte man immer wieder mal zu Konkurrenz und entschied situationsabhängig (z.B. brauchte man gerade Einlagen oder musste der Absatz von Verträgen erhöht werden), ob man mit den Konditionen gleichzieht oder darüber (bei der Rendite) oder darunter liegen soll oder muss. Es etablierten sich weitgehend einheitliche Angebots- und Preisstrukturen. Die Preispolitik war nicht gerade ausgefeilt, wie etwa in anderen Branchen (z.B. Mobilfunk). Und irgendwie reichte das ja auch. Read more +

direktanlage.at geht mit kostenlosem Gehaltskonto an den Start

Kommt nun Bewegung in den eher lahmen österreichischen Direktbanken-Markt? Beim zentralen Produkt für die Kundenbeziehung, dem Gehaltskonto, gibt es jetzt eine Alternative zum Marktführer easybank. Das Gratis-Girokonto der direktanlage.at.

Jahrelang war nun die easybank allein, waren alternative Gratiskonten zur easybank durchwegs von der Nutzung eines Sparprodukts oder eines Wertpapierdepots abhängig. Die direktanlage.at bot bisher auch schon ein Gratis-Girokonto an, aber eben nur Nutzung eines dieser beiden Produkte und einem Mindestvolumen darauf. Das hat sich nun geändert und es darf angenommen werden, dass die direktanlage.at damit einen Schritt raus aus der Fokussierung auf Anlageprodukte macht. Read more +

Financial literacy – eine Utopie?

Ein Thema, das seit Ausbruch der Finanzkrise immer wieder diskutiert wird, ist das Finanzwissen bzw. die Finanzbildung der Kunden. Es folgten Studien, die belegen – no na – dass dieses nicht sehr stark ausgeprägt ist und schnell waren Aussagen zu hören, dass das ein Mitgrund dafür sei, dass Kunden Verluste erleiden, in Beratungsgesprächen nicht das ankam, was der Berater meinte, etc. Und manche Banken wurden aktiv. Aber wie sinnvoll ist das wirklich?

Eines vorweg. Natürlich ist es wünschenswert, wenn die Menschen Grundkenntnisse über das Funktionieren der Geldwirtschaft, über ihre finanziellen Chancen und Risiken und über die Funktionsweise von Bank- und Finanzprodukten hätten. Kein Thema. Wenn alle Menschen mit ihrem Geld umgehen könnten, sie selbst ihre Ziele und Wünsche formulieren könnten und Strategien entwickeln und umsetzen könnten, diese auch zu erreichen. Und wenn sie wüssten, wie Banken und zumindest die einfachen Bankprodukte funktionieren. Es wäre auch schön, wenn alle Menschen in Frieden zusammen leben würden, sich gegenseitig unterstützen würden, die Umwelt schonen würden,… Eine schöne Welt! Read more +

Social Marketing in der Finanzbranche.

Vor 2 Jahren saß ich eingeladen vom Finanzmarketing Verband am Podium zum Thema Social Marketing für Finanzdienstleister. Ich vertrat dort Meinungen, die ich zuvor auch in einem Blogbeitrag zusammenfasste. 2 Jahre danach ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Umso wichtiger erscheint mir das Wiederaufgreifen des Themas, als ich bei der Veranstaltung von einen Agenturvertreter doch recht forsch angegriffen wurde, der meine Meinungen offensichtlich nicht teilte. Doch haben sich die hohen Erwartungen und Versprechen der Agenturen bis heute in irgendeiner Weise bewahrheitet?

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@easybank: Seid Ihr schon zufrieden?

In Österreich gibt’s nur eine Direktbank, die ein mehr oder weniger volles Standard-Produktsortiment aufweist und damit für Kunden als direkte Hauptbankverbindung in Frage kommt. Die easybank. Dort ist man offensichtlich zufrieden mit der Entwicklung, aber ginge da nicht mehr?

Klar. Die easybank ist als Vollbank Marktführer unter den Direktbanken in Österreich. Die ING DiBa ist natürlich gemessen an der Kundenzahl und der Bilanzsumme größer, aber dort sucht man ein Gehaltskonto immer noch vergebens. Und das ist die Voraussetzung, um die Hauptbank der Kunden zu sein. Stolz verkündet die easybank Ende 2011 (nach Bekanntgabe der 2012er-Zahlen werde ich diese ergänzen) die Zahl von 365.000 Konten und eine Bilanzsumme von 1,9 Mrd. Euro, und dass ich die Bank damit auf stabilem Wachstumskurs befindet. Read more +

NFC und mobile payment: Wird das jetzt etwas?

Jetzt soll sie also kommen. Die NFC-Funktion wird von Payment Service Austria ab März 2013 auf allen neuen Maestro-Karten ausgerollt. Viele Jahre hat es gedauert, aber wer braucht eigentlich NFC-Zahlungskarten?

NFC (Near Field Communication) schwirrt seit gut 10 Jahren in den Hirnen von Zahlungsdienstleistern, Banken und Telekomunternehmen umher. Die Technologie kann beim besten Willen nicht mehr als neu bezeichnet werden, wurde in unzähligen Pilot- und Feldversuchen getestet, aber setzte sich bis heute kaum irgendwo wirklich durch. Von vielen bereits für tod erklärt, kommt es nun in Österreich zu einer flächendeckenden Ausstattung der Bankkunden mit dieser Technologie.  Warum eigentlich? Read more +

Wie das iPad das Arbeitsleben verändert…

Heute möchte ich mal ein Thema aufgreifen, das Ihnen vielleicht bei der Selbstorganisation und bei Ihrer Arbeit hilft: die Steigerung der Arbeitsproduktivität durch das iPad.

Als das iPad auf den Markt kam dachte ich mir, wer soetwas wohl benötigen könnte. Rundum zufrieden mit den neuen Möglichkeiten, die das iPhone eröffnet hatte, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ein Gerät mit größerem Display noch eins drauf setzen kann. Andererseits war ich sehr, sehr gespannt, wie sich das Ding entwickeln wird. Bald darauf hatte ich zwar immer noch keine Ahnung, was ich damit anfangen sollte (wenn ich mir eins kaufen würde), aber ich war voller Bewunderung: Apple schaffte es, dass Millionen Menschen das Ding kauften, obwohl sie auch nicht (viel) mehr damit anzufangen wussten, als ich.  Read more +