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Nachhaltiges Banking: neue Anbieter vor dem Markteinstieg?!

Aktuell häufen sich die Indizien, dass in Österreich bald Banken starten werden, die ausschließlich ethische, nachhaltige und ökologische Geschäfte betreiben.

Die Indizien betreffen einerseits eine Gruppe von ehemaligen Bank Austria-Managern, die eine Öko-Bank gründen sollen, andererseits eine bekannte deutsche Öko-Bank, die einen Markteinstieg in Österreich plant. Doch welche Chancen haben solche Banken?

Während sich die Österreicher zwar selbst als “Öko-Pioniere” sehen (was vielleicht in den 80ern und 90ern auch stimmte, aber aktuell in vielen Bereichen nicht mehr), kam ethisches und ökologisches Banking bisher in Österreich nicht so richtig in Gang.

Ein Bereich davon, “nachhaltige Investments”, machen bisher nur rund 1 Mrd. Euro aus und damit weniger als 1% des gesamten Fondsvolumen aus. Zudem kamen solche Veranlagungsformen bisher kaum bis zum Endkunden durch, sondern blieben eher auf Ebene der Institutionellen Anleger. Neben dem Bankhaus Schelhammer & Schattera, das sich als kirchliche Bank ausschließlich auf nachhaltige Investments konzentriert, gibt es auch kaum spezialisierte Anbieter. Und bei den großen Fondsgesellschaften spielt das Thema – wenn überhaupt – nur eine sehr untergeordnete Rolle. Am ehesten noch bei der Erste Sparinvest.

Deutschland ist eigentlich auch nicht viel weiter. Das Veranlagungsvolumen in nachhaltige Investments ist etwa proportional zu dem in Österreich, aber immerhin gibt es einige spezialisierte Banken, wie die Steyler Bank, die Ethik-Bank, die Umweltbank oder die GLS Gemeinschaftsbank, die seit der Übernahme der Geschäfte der Ökobank vor einigen Jahren als Marktführer gilt.

Letztere plant nun den Markteinstieg in Österreich. Laut Aussagen des Managements spürt die Bank die Nachfrage im österreichischen Markt durch immer häufigere Anfragen österreichischer Kunden, der man im Laufe des Jahres mit der Gründung einer österreichischen Niederlassung nachkommen möchte.

Die 1974 gegründete GLS-Bank in Bochum konnte in den Krisenjahren 2008 und 2009 rund 20.000 Kunden gewinnen und zählt nun 75.000 Kunden. Die Bilanzsumme steigt jährlich um 25 bis 20% und liegt Ende 2009 bei 1,35 Mrd. Euro. Gut, für deutsche Verhältnisse eine kleine Bank, aber die Dynamik zeigt, das das Geschäftsmodell von der Finanzkrise und dem Vertrauensverlust der Kunden in klassische Banken profitiert.

Was ist besonders? Nun, die GLS Bank verspricht, dass das Geld ihrer Kunden ausschließlich in ökologische, soziale oder kulturelle Projekte investiert wird. Kunden können dabei definieren, in welchen Bereichen, von biologischer Landwirtschaft, über soziale Einrichtungen bis hin zu alternativen Energieformen, investiert werden soll. Kunden können sogar gänzlich auf Verzinsung verzichten, was gar nicht so wenige tatsächlich tun! Die Bank gibt sich dabei äußerst transparent und legt jedes Geschäft detailliert offen. Und wird immer wichtiger: gerade hat man einen Auftrag der deutschen Bundesregierung erhalten, ein staatliches Programm für 100 Mio. Euro an Micro-Krediten zu verwalten. Angeschlossen ist man am Verband der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken inklusive dem Sicherungssystem des Verbands.

Zur zweiten Initiative, die von österreichischen Bankmanagern ausgehen soll, ist bisher wenig bekannt. Gerüchten zufolge sollte eine “Ökobank Austria” im März starten. Das Gerücht wurde bisher auch nicht von einer zweiten Quelle bestätigt. Und zumindest ich habe noch keine Marktaktivität feststellen können. Für weitere, zweckdienliche Hinweise wenden Sie sich bitte an mich ;-)

Ich denke, und die Zahlen der deutschen GLS Bank zeigen es auch eindrucksvoll, dass ethische Banken in Folge der Finanzkrise punkten können. Zu viele Skandale und Betrügereien sind passiert und das Vertrauen der Kunden in “die Banken” liegt am Boden. Ein neues Konzept, das verspricht, ökologische, soziale und kulturelle Zwecke und Zielsetzungen zu unterstützen, kann da interessant für viele enttäuschte Kunden sein. Klar, sie sprechen ein bestimmtes Klientel an stellen keine (große) Gefahr für die Marktführer dar, aber ihre Werte passen gut in den aktuellen, kritischen Zeitgeist und der Rückbesinnung auf bestimmte “Grundwerte”.

Können das klassische Universalbanken einfach kopieren? Nur bedingt meine ich. Zwar können sich auch diese vermehrt den Themen “Ökologie” und “Nachhaltigkeit” widmen, aber die “spezialisierten Banken” können damit punkten, dass sie eben nur solche Geschäfte betreiben. Für die “Kernzielgruppe” wird das ein wichtiges Argument sein, dass mit dem Geld nur nachhaltige und ethische Ziele unterstützt werden. Initiativen klassischer Universalbanken werden bei diesen Kunden wohl nur als “Marketing-Gag” gesehen werden. Auf der anderen Seite wird es auch viele Kunden geben, die nicht zur “Kernzielgruppe” zählen und sich mit einzelnen, nachhaltigen Produkten zufrieden geben und ihr Gewissen beruhigen. Kurzum: es wird spannend zu beobachten, ob und wie die großen Banken auf die neuen Anbieter reagieren werden!

Was ist Ihre Meinung dazu? Welches Potenzial haben solche Banken?

P.S. Mich persönlich erinnert dieser Trend ein bißchen an das Entstehen der Genossenschaftsbanken bzw. an deren Geschäftszweck und Förderaufträgen. Insofern muß man sagen, dass es eigentlich weniger eine Innovation ist, sondern eher eine Rückbesinnung auf die “Wurzeln des Bankgeschäfts”. Back to the roots, also!

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Alexander Neumayer

About Alexander Neumayer

Als Stratege und Interimsmanager unterstütze ich Banken, Versicherungen und andere beim Finden und Beschreiten von "neuen Wegen zum Erfolg" durch neue strategische Positionierungen, Innovationen und neue sowie optimierte Produkte und Dienstleistungen. Gerne übernehme ich dabei auch Verantwortung in der Umsetzung. Auf finance-cafe.net verfolge ich Trends und Entwicklungen in der Banken- und Finanzbranche sowie in relevanten neuen Technologien und beschreibe die strategischen Auswirkungen auf die Branche, ebenso wie Entwicklungen bei Anbietern, Innovationen und Produkten.

3 Responses to "Nachhaltiges Banking: neue Anbieter vor dem Markteinstieg?!"

  • Alexander Neumayer
    12. September 2010 - 13:59

    vielen dank für den kommentar. es wird die gls-bank sein, die in österreich startet. ein paar wochen nach diesem beitrag konnte man in den medien eine erkärung finden….aber was soll genau der vorteil sein, den eine bayrische bank im vgl. zu einer bank aus nrw hätte?

  • Umweltfinanzexperte
    12. September 2010 - 11:48

    Deutschland hat seit den 70er Jahren die GLS Bank, Niederlande seit 1980 die ökologische Triodos-BAnk und in der Schweiz gibt es seit 20 Jahren bereits die ABS-Bank. Allesamt “ethisch -ökologische” Banken, organisiert im “Institute for Social Banking”.
    Warum es in Österreich keine entsprechende Bank gibt, ist mir seit Jahrzehnten ein Rätsel. Dabei gibt es in Deutschland tausende “gemeinnützige” Genossenschaftsbanken (Volks- und Raiffeisenbanken)oder “quasi gemeinnützige” Sparkassen in jeder Kommune. Trotzdem konnte sich neben der GLS BAnk die gleich große Umweltbank etablieren. Infos über beide unter
    http://www.forestfinance.de/GLSBank_Oekobank_Umweltbank.605.0.html
    Die Umweltbank startete bereits zu Beginn als “Direktbank”, daher dürfte ihr der Österreich-Einstieg leichter fallen. Auch geographisch – Unternehmenssitz ist Bayern – dürfte die Umweltbank eine Geschäftsausweitung nach Österreich leichter fallen, als der ganz überwiegend in NRW ansässigen GLS-Bank.
    Österreich wird sicherlich in 2010 oder 2011 die ersten Ökobanken sehen.

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