Erste Bank und Sparkassen starten mit der neuen Werbelinie auch mit Social Marketing. Die beiden neuen Charaktere, Petra Kern und Martin Wohlich, sind so auch auf Facebook zu finden.
Social Marketing wird allseits gehypt. Angezogen von Millionen Nutzern stürmen immer mehr Firmen in soziale Netzwerke. Aber wissen auch schon alle, was sie dort tun? Und sind die Firmen auch schon bereit dazu, speziell die Banken?

Keine Frage. Wer heute nicht von gestern sein will, muss ein Facebook-Profil haben. Das gilt auch für Firmen. Meinen viele und zum Teil kann ich mich da auch anschließen. Warum sie soetwas brauchen und vorallem, was sie damit tun ist eine andere Frage. Genauso was das ganze überhaupt bringen soll am Ende des Tages.
Petra und Martin
Im Zentrum der neuen Werbelinie stehen 2 Mitarbeiter der Erste Bank/Sparkasse. Sie werden in ihrer tagtäglichen “Arbeitssituation” im Sinne einer “Daily Soap” gezeigt, wie sie sich über privates und berufliches unterhalten und dabei immer wieder zu Bankthemen und insbesondere zum Beziehungsthema kommen. Ebenfalls privat und beruflich. Es soll also offensichtlich gezeigt werden, dass Bankberater “auch nur Menschen” sind, mit alltäglichen Bedürfnissen. Gründsätzlich ein interessanter Ansatz. Über die Umsetzung kann man streiten. Geschmäcker sind verschieden…
Eine neue Werbelinie mit einer entsprechenden Präsenz im Web 2.0 einzuführen erscheint logisch. Das online fortzuführen, was man “above the line” via Fernstehen, Radio und Print anzettelt und via Online-Werbung weiter verstärkt, ist ein moderner Ansatz. Und da mich Social Marketing von mehreren Seiten her interessiert, habe ich mir das ganze Mal angesehen.
Facebook-Seite
Also habe ich letzte Woche zum Start gleich mal auf die Facebook-Seite der Erste Bank und Sparkassen geschaut. Und da haben wir schon mal den ersten Fauxpas. Allein schon, dass die Seite Erste Bank und Sparkassen heißt und nicht die beiden Charaktere in den Mittelpunkt stellt, geht ein bissl am Medium vorbei. Warum läßt man nicht die beiden aus ihrem Alltag berichten? Die Leute wollen doch nicht mit Erste Bank und Sparkassen kommunizieren, sondern mit den Beiden! Die sucht man allerdings vergeblich!
Ach ja, Leute. Die Währungseinheit für erfolgreiche Profile bei Facebook sind ja die “Freunde”, denen die Seite gefällt. Mit 322 sind zwar schon eine Menge Freunde dabei, aber für die Erste BAnk und Sparkassen? Mit einem ordentlichen Launch, der die vielen Tausend Mitarbeiter miteinbezogen hätte, um z.B. an deren Freundeskreis, sicherlich in Summe mehrere Hundertausend Profile, heranzukommen, hätte doch viel mehr bringen müssen….
Und was passiert jetzt. Ein paar Leute posten und “Erste Bank und Sparkassen” postet hin und wieder, dass ein neues Video online ist. Das war’s?
Und nochwas? Erste negative Postings stehen auch schon auf der “Pinwand”. Na ja, das war ja zu erwarten, dass Banken im Web 2.0 gleich mal abgewatscht werden. Bisher hat man darauf noch nicht reagiert, bin gespannt wie man sich darauf einstellt.
Summa Summarum wirkt das ganze hölzern. Da wird eine Agentur ein Konzept gemacht haben und weil’s grad modern ist, mach’ ma halt eine Facebook-Gruppe. Da schaut dann jemand von der Agentur oder von der Marketing-Abteilung 1,2 Mal in der Woche drauf und schreibt was. Aber ein eigenständiges (Teil-)Konzept ist nicht zu erkennen…
Social-Marketing
Social-Marketing ist ganz am Beginn. Wohin die Reise geht kann heute noch niemand sagen. Alle sind ganz verrückt und die Erwartungen sind hoch. Aber ob das ganze überhaupt einen wirtschaftlichen Nutzen hat, kann gar keiner sagen. Man erreicht Leute, manchen “gefällt das” und das erfährt dann ihr Freundeskreis, vielleicht gefällt es dort auch jemanden. Und dann?
Wirklich viele erfolgreiche Kampagnen sind nicht bekannt. Auf der anderen Seite gibt es aber immer wieder Aktionen gegen Firmen, die sich in irgendeiner Art und Weise Blöße geben. So zum Beispiel vor Kurzem gegen die Buchhandelskette Thalia, die einen kleinen Konkurrenten schneiden wollte und sich dann den Zorn vieler Leute eingehandelt hat, die sich schnell mit der kleinen Buchhandlung solidarisierten und gegen Thalia Stimmung machten.
Die Chance von sozialen Netzwerken für Firmen sehe ich in erster Linie mal darin, überhaupt zu erfahren, was die Leute so über die Firma denken und erzählen. Verglichen mit (positiver und negativer) Mundpropaganda im herkömmlichen Sinn, z.B. beim Friseur, kann man hier auf eine Dokumentation in geschriebener Form zugreifen. Insofern ist für mich die erste Lektion, ein funktionierendes Monitoring auf die Beine zu stellen, was wann und wo über das Unternehmen erzählt wird. Wenn das ganze auf einem eigenen Profil passiert und niemand von der Bank hat etwas dazu zu sagen, dann spricht das Bände…
Und aktiv? Tja, da bin ich auch der Meinung, dass ein riesiges Potenzial in sozialen Netzwerken steckt. Aber auch, dass noch niemand den richtigen Zugang dazu gefunden hat. Wie gesagt, wir stehen hier ganz am Beginn und die nächsten Jahre werden’s zeigen. Für das, was jetzt passiert, hätt’s solche Netzwerke jedenfalls nicht gebraucht.
Und bis dahin? Man kann schon mal Präsenz zeigen, auch wenn man noch keine bahnbrechende Idee hat. Aber erwarten sollte man sich nicht viel und man sollte sehr vorsichtig sein und gut aufpassen, dass das ganze nicht nach hinten los geht.
Social-Marketing für Banken…
…ist vor dem Hintergrund der Finanzkrise sicher nochmal eine eigene Kategorie. Irgendeine Bemerkung ist schnell mal an die Pinwand geschrieben und verärgerte Kunden (und Steuerzahler) gibt’s ja sicher genug. Und dann steht das so da. Und dann? Dann kommt der nächste und gibt ihm recht, und nocheiner legt noch ein Schäuflein nach und es entsteht eine Dynamik in die falsche Richtung.
Meiner Meinung nach müsste man ein 100%-wasserdichtes Konzept als Bank haben, um diesen Schritt heute zu gehen. Wenn es das nicht gibt, dann würde ich lieber die Finger davon lassen. Wer vergibt sich schon etwas, wenn man noch 1-2 Jahre zuwartet, bis alle anderen die größten Fehler gemacht haben, aus denen man dann lernt?
Der Ansatz von Erste Bank und Sparkassen, Mitarbeiter ins Zentrum zu rücken, hat ‘was und geht in die richtige Richtung. Leider schein’s nur fiktive Charaktere und Schauspieler zu sein. Chance vergeben. Momentan erkenne ich damit nichts Innovatives in der Nutzung des sozialen Netzwerks Facebook. Ich bin gespannt, ob da noch etwas kommt und wenn ja, was. Ich glaube nicht, dass man da momentan schon weiter ist, sonst hätte man das professioneller Weise gleich zum Start gemacht. Schade, denn dann muss man sagen, dass man hier nicht wirklich innovativer ist als andere…


28. Juli 2010 - 13:33
vielen dank für ihren kommentar.
zu 1.) ok, aber suchen werden die wenigsten. es geht um die einträge in der pinwand über die man freunde von freunden, etc. erreicht. dann könnte man auch das bild durch das logo ersetzen, würde die wiedererkennung steigern
zu 2.) natürlich geht’s um postings. das ist ja der sinn der sache. ich hätte mir nur erwartet, dass man das mit den profilen von martin und petra macht. das wäre schlüssig. so ist’s wieder eine anonyme redaktion. dabei ist da das posting des sparefrohs noch ein lichtblick. das finde ich wieder gut.
zu 3.) natürlich wurde geantwortet von der redaktion. das ist ja auch das minimum. man stelle sich vor, es würde niemand darauf reagieren. und reagieren würde mir auch besser gefallen, als entkräften. dazu müsste man der sache/vorwurf auf den grund gehen und konkret stellung nehmen.
nicht falsch verstehen. ich stehe social marketing ja positiv gegenüber. aber man muss das anders machen als klassische kommunikation. andernfalls läuft man sogar gefahr, dass das ganze negativ ankommt, ganz abgesehen vom potenzial, das man liegen lässt. user sehen das in postings auch zum teil so, z.b. “oh…also schauspieler…schade, ich dachte, dass wären mitarbeiter
beste grüße
alex neumayer
28. Juli 2010 - 13:15
1. Nennt man die Seite Petra Kern und Martin Wohlich, würde a.) gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook verstoßen und b.) keiner die Seite finden, da davon auszugehen ist, dass man nach Sparkasse oder Erste Bank sucht.
2. Die Postings haben Sinn und System. Es geht darum mit den Usern in Interaktion zu treten, um diesen und allen die die Seite lesen das Gefühl zu geben einen direkten Kontaktkanal zur Bank zu haben.
3. Die Kritiken die gepostet wurden sind alle entkräftet worden. Entweder durch Kommentare der Bank oder durch “Schelte” anderer User die mit Ihren Gegenargumente und den “Likes” dieser Gegenargumente die Nörgeler bloß stellen.
mfg
ub
14. Juli 2010 - 11:11
irgendwie führt sich das ganze langsam ad absurdum. es wird nur gepostet, wer irgenwelche sujets von petra und martin in der u-bahn oder sonstwo gesehen hat. wahrscheinlich leute von der agentur.
und ja. ein echter martin wohlich hat sich gemeldet und will mehr über sich erfahren….;-)
8. Juli 2010 - 09:32
ja, da haben sie natürlich recht. momentan sind wir bei vielen großen unternehmen halt gerade in der situation, dass die agentur sagt: “und eine facebook-seite sollten wir auch machen”. was fehlt ist aber ein eigenes konzept, wie man solche neue medien auch “artgerecht” nützt. more of the same von der pr-abteilung nur halt in einem neuen kanal, das kann’s nicht sein. und am ende ist man dann enttäuscht, wenn’s nichts gebracht hat oder im gegenteil – und gerade bei banken gibt’s die gefahr – dass negative statements von kunden und interessenten provoziert werden. GLS geht gewiss in die richtige Richtung, aber da ist noch viel mehr drinnen. gerade bei ihrem thema. und über fidor habe ich mich erst vor kurzem geäußert….Fidorbank . ja selbst bei erste bank und sparkassen ginge mehr, denn die grundidee hat ja potenzial…
7. Juli 2010 - 17:41
Mal schnell eine Seite aufmachen, nur weil es gerade in ist, geht garantiert schief. Es gibt durchaus positive Bankenbeispiele wie z. B. die GLS Bank oder die FIDOR Bank. Was imho im Web 2.0 besonders wichtig ist: Offenheit, Transparenz, Authentizität und die Personalisierung der Inhalte bzw. Web 2.0 Auftritte (oder einfacher gesagt: Das Cluetrain Manifest, http://www.cluetrain.de)