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Stratege und Interimsmanager Alexander Neumayer über Trends, Strategien, Innovationen und Produkte sowie relevante Technologien für Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister.

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Paypal arbeitet an der “Zukunft des Bezahlens”

So. Hier bin ich nun zurück nach ein paar Monaten ohne Beitrag. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. So wurden beispielsweise ein paar Einblicke publik, wie sich Paypal die Zukunft des Bezahlens vorstellt. Im stationären Handel und sonstwo, wohl gemerkt. Nicht nur im Internet!

Ich habe in diesem Blog ja schon mehrfach meiner Verwunderung Ausdruck verliehen, dass sich Paypal mit Online-Zahlungen zufrieden gibt. Mehr als 200 Mio. Kunden sind ja auch in der realen Welt eine gute Startbasis. Nun, scheinbar hat man das auch so gesehen und einfach nur länger benötigt, bis man sich eine Vision zurecht gezimmert hat. Jetzt scheint’s jedoch ernst zu werden, wie in diesem Video, das aber wohl trotzdem eher als Studie zu verstehen ist, zu sehen ist.

Na da sind ganz schön viele nette Dinge dabei. Oder? Dinge, die man schon kennt, wie das Transferieren von Geld von einem (anwesenden) Handy zu einem anderen via „Bump“, jede Menge Dinge, die man von anderen Apps kennt, z.B. das Scannen von QR-Codes oder EAN-Codes, um Preise zu vergleichen oder alternative Anbieter (in der Umgebung) zu finden, aber auch gänzlich Neues, wie die Vorabbezahlung von Produkten, die man dann nur mehr abholt. Ein nettes Sammelsurium an Dingen, die mehr oder weniger nützlich sind, aber auch unterschiedliches Akzeptanzpotenzial auf Kunden- und Händlerseite haben. Interessant ist auch, dass unter den ganzen Features fast ein bisschen unterschwellig richtige Bankprodukte auftauchen, z.B. das verspätete Bezahlen von bereits getätigten Zahlungen (90 Tage) oder das Umwandeln derselben in eine Ratenzahlung (Wer hat’s bemerkt?).

Horizonterweiterung

Paypal bringt damit durchaus auch neue Ansätze. Auffallend ist meiner Meinung nach, daß sich Paypal auf den Kaufprozess konzentriert und diesen für die Kunden schneller und bequemer machen möchte. Ob sich Alles so durchsetzen läßt und (von Händlern) akzeptiert werden wird (z.B. Selfscanning und Bezahlung am App und einfach aus dem Shop gehen, Preisvergleich im Shop – da wird man ja heute schon fast körperlich bedroht, wenn man z.B. im Elektrohandel ein Foto von einem Produkt(-schild) machen will oder den Barcode scannt) wird sich weisen, aber der Ansatz ist richtig. Wenn sich etwas gegen etablierte Zahlungssysteme durchsetzen wird, dann muß man beim Kaufprozess ansetzen und diesen für den Kunden verbessern, d.h. bequemer und schneller machen. Das zeigten übrigens auch einige Fokusgruppen, die ich heuer zu diesem Thema in Österreich machen durfte. Soweit setzt Paypal meiner Meinung nach richtig an.

Skeptischer bin ich beim Thema local based advertising, das Paypal laut Video ebenfalls anbieten will, wohl um die Merchants anzulocken (ähnlich wie Google). Ich würde mich (aus heutiger Sicht) belästigt fühlen, wenn ich auf meinem Gang durch die Einkaufsstraße oder durch’s Einkaufszentrum dauern via mein iPhone von den Shops Messages bekomme und gestört wäre. Auch wenn es Gutscheine sind, stelle ich mir das eher als Horror vor. Abstellen wäre mein erster Gedanke, und damit ist mein (noch nicht vorhandener aber vielleicht zukünftiger) NFC-Chip spätestens nach dem dritten „Angriff“ auf meine Shopper-Persönlichkeit schon wieder deaktiviert. Und vorbei ist’s mit den tollen Ansprachemöglichkeiten für Händler, aber auch mit der Zahlfunktion, weil jedes Mal aktivieren vor der Zahlung ist dann auch wieder zu mühsam…

Schrillen schon die Alarmglocken?

Nur ruhig Blut. Es ist noch zu früh, um zu beurteilen, ob sich das doch sehr umfassende Konzept von Paypal erfolgreich umsetzen läßt. Aber meiner Meinung nach ist etwas eingetreten, was ich schon länger als Voraussetzung für einen wirklichen Dogmenwandel im Bereich von Zahlungstransaktionen sehe: ein innovativer Player aus der Online-Welt erdenkt sich „das Bezahlen“ neu. Google hat bei dieser Aufgabe herb enttäuscht und in Kooperation mit Mastercard nicht mehr als den herkömmlichen Prozeß auf’s Handy (noch immer nur 1 Handymodell!) gebracht: kein neuer Prozeß, keine neuen Usecases, Abhängigkeit von NFC (und entsprechenden Terminals) und sogar 1 Player mehr in der Kette, der sich mit Werbung refinanzieren will. Ob das gut geht? Da geht Paypal schon deutlich weiter und ist viel innovativer.

Wird Paypal damit zur Gefahr für Banken? Nun ja. Kann sich der Konzern wirklich durchsetzen und gelingt es den Amis wirklich ihre Vision zu realisieren, dann haben sie zumindest gute Chancen, sich dick in den Zahlungsprozess reinzureklamieren. Dabei hat aber auch Paypal den Kampf mit der berühmten Katze aufzunehmen, die sich in den Schwanz beißt: soll heißen, dass die Verbreitung bei Merchants spielentscheidend ist und die werden das Potenzial bewerten. Da hat Paypal aber mit der vorhandenen Kundenbasis weit bessere Chancen als andere, insbesondere wenn sie mit einer nicht überzeugenden Lösung antanzen, wie das in den letzten Monaten auch ein branchenfremder Anbieter in Österreich versuchte.

Aber eines finde ich extrem interessant. Wie gesagt zeigt das Video relativ unaufgeregt eine neue Kreditfunktion für bereits getätigte Zahlungen, die man verspätet oder in Raten begleichen kann. Damit würde Paypal erstmals so richtig in Konkurrenz zu den Banken treten, nämlich in der Offline-Welt mit einem Produkt der Konsumfinanzierung. Wie groß ist dann noch der Schritt zu einem Girokonto, das ja das Ankerprodukt in der Kundenbeziehung der Banken ist…oder zu einer Verzinsung von Guthaben auf dem Paypal-Konto?

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About Alexander Neumayer

Als Stratege und Interimsmanager unterstütze ich Banken, Versicherungen und andere beim Finden und Beschreiten von "neuen Wegen zum Erfolg" durch neue strategische Positionierungen, Innovationen und neue sowie optimierte Produkte und Dienstleistungen. Gerne übernehme ich dabei auch Verantwortung in der Umsetzung.

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