In meinem letztwöchigen Beitrag habe ich darauf hingewiesen, dass das Nutzererlebnis von Bankprodukten und Bankdienstleistungen in Zukunft enorm wichtig sein wird und die Basis für eine Emotionalisierung darstellen wird. Dazu passend hat die Erste Bank kürzlich einige Facts über die 2012 gelaunchten Services Rundungsparen und Impulssparen veröffentlicht.
Die Erste Bank und natürlich auch die Sparkassen geben aktuell in Österreich den Ton an, was neue Ideen zur Steigerung des Nutzererlebnisses betrifft. Die Positionierung des “modernsten Kontos Österreichs” wird zunehmend durch neue Services untermauert und wie erste veröffentlichte Zahlen zeigen, treffen diese auf Interesse.
Rundungssparen bereits recht beliebt
Das Rundungssparen wurde Anfang des Sommers gelauncht und erzielte bis Jahresende rund 1 Million Transaktionen, womit die Nutzer bei Einkäufen mit der Karte einen Betrag zwischen 1 und 15 Euro automatisch auf ein Sparbuch übertragen. Es ist als eine Art “digitales Wechselgeld” gedacht, dass ähnlich zum Kleingeld, das manche im Sparschwein sammeln, auf ein digitales Sparschein übertragen wird. Mit jedem Einkauf steigt somit das Ersparte. Im Durchschnitt kamen so 2,4 Euro pro Einkauf auf die Sparkonten der Kunden, insgesamt immerhin 2,4 Mio. Euro, die sonst wohl nicht gespart worden wären.
Impulssparen mit hohem Durchschnittsbetrag
Anders als in der Werbung, wo das Testimonial den Bus abfahren läßt und lieber zu Fuß geht oder in der Bäckerei ein Stück Gebäck spart, sparen die Impulssparer in der Realität höhere Beträge, wenngleich auch noch nicht so oft. Seit dem Start im Oktober wurde rund 40.500 Mal gespart und in Summe kam so 1 Million Euro zusammen. Erstaunliche 26 Euro pro Impuls also, die von den Nutzern für ihre in der App definierten Sparziele anstelle von Einkäufen auf die Seite gelegt haben.
Kann man nun schon von einem Erfolg sprechen?
Die Zahlen sind das eine. Doch die große Story sollte lauten, dass man Mittel und Wege findet, um das Nutzererlebnis für die Kunden zu steigern. Das wird sich nicht von Heute auf Morgen auswirken, sondern muss langfristig angegangen werden. Wie in meinem letzten Beitrag besprochen, leiden Bankprodukte und das Service von Banken unter geringer Coolness, obwohl die dahinter liegenden Ziele, Wünsche und Bedürfnisse der Kunden hochemotional sind. Das Nutzererlebnis zu erhöhen kann ein Weg sein, um die Leistungen der Bank näher an die Emotionen der Kunden heranzubringen. Ein kleiner Spaßfaktor wie beim Impulssparen schadet da im übrigen auch nicht.
Insofern ist die Strategie der Erste Bank und Sparkassen nicht nur nachvollziehbar, sondern auch sehr spannend. Sie sind die ersten in Österreich (nomen est omen), die die Zeichen der Zeit erkannt haben und diesen Weg glaubwürdig und aktiv beschreiten. Ich höre schon die Stimmen anderer Banken, wonach diese ähnliche Ideen schon lange hatten. Mag sein, dass es keine bannbrechenden Innovationen sind. Aber davon zu reden und die Ideen auch umsetzen, sind 2 Paar Schuhe. Wie schon beim Banking-App hat die Erste Bank wieder die Nase vorne und man wird sehen ob und wie schnell andere nachziehen.
Das “modernste Konto”, ausgestattet mit diversen Zusatzfeatures, kann sich mit der Zeit von den Angeboten der Konkurrenz abheben, vorausgesetzt da kommen noch ein paar weitere intelligente Features. Es darf zwar bezweifelt werden, dass damit ein “Run” von Kunden anderer Banken zur Erste Bank oder Sparkassen einsetzen wird und damit massiv Kunden gewonnen werden. In Kombination mit attraktiven Kernprodukten und Konditionen kann sich die Strategie aber langfristig bewähren, insbesondere um Kunden zu halten. Insofern bin ich gespannt, wie sich diese und ähnliche Initiativen mittel- und langfristig weiter entwickeln, und ob sich so das Nutzererlebnis für Bankkunden Schritt für Schritt doch noch ändert. Die ersten Zahlen stimmen mich jedenfalls zuversichtlich.

